Traditionelles Handwerk im Konzerthaus-Stadthalle – Werterhaltung mit Respekt vor der Geschichte
Die historischen Thonet-Sitzreihen aus der Stadthalle Heidelberg stammen aus dem Jahr 1903 und sind eindrucksvolle Zeugnisse traditioneller Handwerkskunst. Mit ihren elegant geschwungenen Holzelementen, den charakteristischen Armlehnen und den kunstvoll perforierten Rückenlehnen verkörpern sie den besonderen Charme und die gestalterische Qualität ihrer Entstehungszeit.
Über mehr als 120 Jahre hinweg haben unzählige Veranstaltungen und Besucher ihre Spuren hinterlassen. Die Holzoberflächen wiesen zahlreiche Kratzer, Abnutzungen und Beschädigungen auf. Hinzu kamen hartnäckige Verschmutzungen, alte Rückstände und Kaugummis, die sich im Laufe der Jahrzehnte an den Stühlen festgesetzt hatten.
Behutsame Restaurierung mit Liebe zum Detail
Ziel der aufwendigen Restaurierungsarbeiten war es, die historischen Sitzreihen wieder in einen gepflegten und repräsentativen Zustand zu versetzen, ohne dabei ihren ursprünglichen Charakter und ihre Geschichte zu verlieren.
Zunächst wurden sämtliche Holzoberflächen sorgfältig gereinigt. Hartnäckige Verschmutzungen, Kaugummireste und alte Ablagerungen wurden behutsam entfernt. Anschließend erfolgte die fachgerechte Bearbeitung der zahlreichen Kratzer, Gebrauchsspuren und Beschädigungen.
Dabei stand stets ein Grundsatz im Vordergrund: So viel Originalsubstanz wie möglich erhalten und nur so viel wie nötig eingreifen.
Die über Jahrzehnte entstandene Patina sollte bewusst bewahrt werden. Denn gerade sie verleiht diesen historischen Möbelstücken ihre besondere Ausstrahlung und erzählt von ihrer langen Geschichte.
Traditioneller Oberflächenaufbau mit Schellack
Nach den umfangreichen Vorarbeiten wurden die Holzoberflächen sorgfältig neu aufgebaut und mit Schellack behandelt.
Schellack ist ein traditionelles Oberflächenmaterial, das bereits zur Entstehungszeit dieser Stühle verwendet wurde. Es verleiht dem Holz eine besondere Farbtiefe, einen warmen Glanz und hebt die natürliche Schönheit der historischen Oberflächen hervor.
Eine besondere Herausforderung bestand darin, die neuen Oberflächen harmonisch an die vorhandene Patina anzupassen. Die Stühle sollten nach der Restaurierung keinesfalls wie neu gefertigte Möbel wirken, sondern ihre authentische, über Generationen gewachsene Ausstrahlung behalten.
Zusätzlicher Schutz für die zukünftige Nutzung
Da die historischen Sitzreihen auch künftig den Anforderungen einer Veranstaltungsstätte gerecht werden sollen, wurde auf die Schellackoberfläche eine zusätzliche Schutzschicht aufgetragen.
Diese schützt den empfindlichen Schellack insbesondere vor Feuchtigkeit und verhindert, dass sich bei Kontakt mit Feuchtigkeit Farbbestandteile lösen oder auf Kleidung abfärben.
Gleichzeitig wurde darauf geachtet, dass die zusätzliche Schutzschicht die natürliche Optik, die warme Farbgebung und den charakteristischen Glanz der Schellackoberfläche nicht beeinträchtigt.
Historische Substanz bewahren – für kommende Generationen
Das Ergebnis ist eine gelungene Verbindung aus traditioneller Restaurierungstechnik, handwerklicher Sorgfalt und zeitgemäßem Oberflächenschutz.
Die historischen Thonet-Sitzreihen aus dem Jahr 1903 erstrahlen wieder in ihrer ursprünglichen Eleganz, ohne die sichtbaren Zeugnisse ihrer langen Geschichte vollständig zu verlieren.
Nicht das Neumachen stand im Mittelpunkt, sondern das Bewahren.
Denn eine gelungene Restaurierung bedeutet nicht, einem historischen Möbelstück seine Vergangenheit zu nehmen, sondern seine Geschichte sichtbar zu erhalten und es gleichzeitig für die Zukunft zu schützen.
Ein besonderes Restaurierungsprojekt, bei dem über 120 Jahre Möbelgeschichte mit handwerklichem Können, Geduld und Respekt vor dem Original bewahrt wurden.








